Verkehrsbetriebe
Westbahn und BRB kritisieren die Deutsche Bahn23.01.2026
Ungewöhnliche Allianz: Westbahn und Bayerische Regiobahn verurteilen die von DB InfraGO verhängten Streckensperrungen östlich von München.
Sie hatten es vornehm zurückhaltend als „Neujahrswünsche“ formuliert. Doch einmal in Fahrt, legten Thomas Posch, Chef der österreichischen Westbahn, und sein Kollege Arnulf Schuchmann von der Bayerischen Regiobahn so richtig los. Sie ließen kein gutes Haar am Zustand der Bahn in Bayern. Sie nannten es einen „Hilfeschrei“. Besondere Zielscheibe ihrer Kritik bei einem gemeinsamen Presseauftritt in München: das Management der DB InfraGO.
Eigentlich sei Eisenbahnbetrieb „keine Raketenwissenschaft“, lästerte Schuchmann. Doch bei der DB InfraGO gebe es ein „Zuständigkeits-Pingpong“ – die rechte Hand wisse nicht, was die rechte tut. Protestschreiben versandeten, Anrufe seien zwecklos, berichtete Schuchmann. Hauptproblem seien spontan geplante Baustellen, die dann nicht fertig werden, betonte Posch von der Westbahn. Außerdem gebe es Zuständigkeits-Probleme – der Bereich Bayern wisse nicht, was der Bereich Baden-Württemberg plane – und umgekehrt. Für Posch ist das bitter, weil die Westbahn seit gut einem Jahr von Wien bis nach Stuttgart fährt. Schon öfter hätten Züge ohne Vorankündigung in Ulm oder Plochingen enden müssen.
Nun droht noch mehr Ärger. Am 7. Februar beginnt die sogenannte Generalsanierung der Strecke Nürnberg-Passau. 80 bis 120 Güterzüge täglich würden dann über die Route München–Salzburg und München–Mühldorf umgeleitet, warnte Schuchmann. Einige Verstärkerzüge München–Traunstein der BRB müssen dafür weichen, ab 14. Juni fährt die RB 54 München–Rosenheim nur noch zweistündlich. Noch schlimmer wird es ab 2027, wenn die Salzburger Strecke saniert wird. Beide Gleise sollen von Februar bis Juli (Rosenheim–Salzburg) gesperrt werden, 2028 ist München–Rosenheim dran. Die Westbahn muss dann, so wie derzeit schon, über Passau, Landshut und Freising umgeleitet werden. Posch und Schuchmann bezweifeln – ähnlich wie das bayerische Verkehrsministerium –, dass wirklich beide Gleise gleichzeitig gesperrt werden müssen. Ein Stellwerk bei Rosenheim zum Beispiel sei erst 20 Jahre alt, warum müsse das komplett neu gebaut werden? „Wir haben viele Vorschläge gemacht, es wurde aber alles abgelehnt“, klagte Schuchmann. Die Sperrungen würden „ohne Sinn, ohne Verstand“ durchgepeitscht. „Das wird in die Hose gehen.“ Auch eine Intervention beim bayerischen Verkehrsstaatssekretär Ulrich Lange (CSU) blieb ohne Erfolg, sagte er resigniert. Auf Gesprächstermine müsse er sechs Wochen warten. Letzte Chance sei jetzt die Klage eines Cargo-Unternehmens bei der Bundesnetzagentur.
Zudem besagt die Dispositionsrichtlinie der DB, dass schnellere Züge Vorrang vor langsameren haben. Hat aber ein IC/ICE Verspätung, starten auch alle nachfolgenden, langsameren Züge später. Die Verzögerung wird also in das gesamte Netz hineingetragen, was etwa bei der BRB immer wieder zur Folge hat, dass Züge aus Salzburg frühzeitig am Ostbahnhof enden, weil die Strecke zum Hauptbahnhof nicht mehr frei ist.
Und der Freistaat kassiere über seine staatseigene Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) ab: Denn an diese müssten die privaten Eisenbahnunternehmen Vertragsstrafen bei Verspätungen oder Zugausfällen zahlen. „An dieser Stelle ist der Freistaat nicht besser als die Infrago“, sagt Schuchmann.

