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21.04.2026
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Verkehrsbetriebe

Bulgarien: Projekt für neue Strecke Jambol–Grenze zur Türkei
22.08.2025

 


Die Vorbereitungen für eine neue 71 km lange elektrifizierte Eisenbahnverbindung Jambol–Elchowo–Lessowo, die die Anbindung und die Verkehrskapazität zwischen Bulgarien und der Türkei verbessern wird, sind im Gange.


Die Nationale Eisenbahninfrastrukturgesellschaft NKŽI hat am 12.08. eine Vorinvestitionsstudie für den Bau einer neuen Eisenbahnstrecke von Jambol, das an der Hauptbahn Burgas–Stara Sagora (weiter nach Sofia) liegt, bis zum Grenzübergang bei Lessowo abgeschlossen. Das Projekt ist Teil des umfassenden TEN-T-Netzes der EU. Die Vorstudie hat einen Wert von umgerechnet 270.000 Euro und wird mit Mitteln aus dem Programm „Verkehrsanbindung 2021-2027“ finanziert, wobei der Anteil der EU 85 % beträgt.

Im Rahmen der Studie wurden Durchführungspläne, Verkehrsprognosen, Kapazitätsanalysen, finanzwirtschaftliche und ökologische Analysen sowie Entwicklungsoptionen ausgearbeitet.

Die neue Eisenbahnstrecke von Jambol bis zur türkischen Grenze wird eine Gesamtlänge von 71 km haben und zwei Hauptabschnitte umfassen: Jambol–Elchowo (ca. 39 km) und Elchowo–Lessowo–Grenze (ca. 32 km). Der erste Abschnitt folgt größtenteils der bestehenden Trasse, auf der seit 2009 nichts mehr fährt, der zweite wird komplett neu gebaut, führt durch schwierigeres Gelände und umgeht die Ortschaften. Die geplante Projektgeschwindigkeit beträgt 160 km/h für Personenzüge und 120 km/h für Güterzüge.

Die Strecke wird 6 Haltepunkte und 3 Bahnhöfe haben und nach dem Grenzbahnhof Lessowo bis zur Grenze zur Türkei weitergeführt werden. Die voraussichtliche Bauzeit für die Strecke beträgt 6 Jahre.

„Das Projekt ist für Bulgarien von strategischer Bedeutung als wichtige Verkehrsverbindung zwischen der EU und der Türkei, da es einen schnelleren, sichereren und umweltfreundlicheren Personen- und Güterverkehr gewährleistet.“

Aktuell gibt es schon zwei Strecken weiter westlich, die von Nowa bzw. Stara Sagora nach Süden verlaufen und auf die Strecke von Sofia nach Istanbul („Balkan Express“) treffen. Kurz nach der Grenze, irgendwo bei Edirne würde die neue Strecke dann auf diese treffen – wenn denn die Türkei überhaupt einen Anschluss baut, und danach sieht es derzeit nicht aus.

Traditionell sind die Nord-Süd-Verbindungen in Bulgarien durch das quer verlaufende Balkangebirge und die Rhodopen im Süden schwach ausgebaut und nur recht langsam befahrbar. So braucht der Bosfor-Express von Bukarest nach Istanbul für die 836 km etwas mehr als 20 Stunden (Durchschnitt also 41 km/h).

Die neue Strecke wäre eine kleine Abkürzung auf der Relation Istanbul–Burgas/Warna, offensichtlich weder für den Personen-, noch für den Güterverkehr wirklich interessant.

Vielleicht sollte man sich lieber der im Westen verlaufenden Achse Sofia–Thessaloniki (Athen) widmen, die teilweise nur mit 70 km/h befahren werden kann; zudem bietet sie den Abzweig nach Nordmazedonien, der nach Lückenschluss eine deutliche Verkürzung Richtung Skopje bedeutet, also ein wichtiges Teilstück des Planertraums Albanien–Schwarzmeer darstellt.